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Vibe Coding10 Min. Lesezeit

Was ist Vibe Coding? Warum jeder Unternehmer seine eigenen Tools bauen kann

Vibe Coding erklärt: Warum kleine Unternehmen und Selbstständige mit KI ihre eigenen Helfertools bauen können – ohne Programmierkenntnisse. Mit Praxis-Erfahrungen und konkreten Beispielen.

·Manuel Burow

Was ist Vibe Coding?

Vibe Coding ist ein Begriff, den Andrej Karpathy – einer der bekanntesten KI-Forscher weltweit – geprägt hat. Die Idee: Du beschreibst der KI, was du bauen willst, und die KI schreibt den Code. Du gibst die Richtung vor, die KI setzt um.

Das klingt nach Science Fiction. Ist es aber nicht. Ich habe mit Vibe Coding eine komplette SaaS-Software mit über 300 aktiven Nutzern gebaut – InspireForge.io, ein Tool für Amazon-Seller. Und nein, ich bin kein ausgebildeter Softwareentwickler. Ich bin IT-System-Engineer.

Aber hier ist die Sache: Nicht jeder muss eine SaaS bauen. Das war mein Weg, und eine SaaS ist komplex – Nutzerverwaltung, Zahlungsabwicklung, Skalierung, Support. Was ich dabei gelernt habe, ist viel wichtiger: Jeder Unternehmer kann sich mit Vibe Coding seine eigenen Helfertools bauen. Und genau das ist der eigentliche Game-Changer.

Meine Geschichte: Von der eigenen Frustration zur SaaS

Kurz zur Einordnung, damit du verstehst, woher ich komme.

Als Amazon FBA Arbitrage Seller brauchte ich ein Tool für Produktrecherche. Die bestehenden Lösungen waren zu teuer, zu generisch oder nicht auf den europäischen Markt zugeschnitten. Statt eine Agentur zu beauftragen, habe ich die KI gefragt: „Kannst du mir helfen, das selbst zu bauen?"

Das war Ende 2023. Drei Monate später war InspireForge.io live. Heute hat das Tool über 300 aktive Nutzer.

War der Weg einfach? Nein. Eine SaaS zu bauen bedeutet: Datenbanken, Authentifizierung, Zahlungssysteme, Deployment, Bugfixes um 23 Uhr. Das ist ein ernsthaftes Projekt, und ich würde niemandem pauschal sagen: „Bau dir einfach eine SaaS mit KI."

Aber – und das ist der entscheidende Punkt – auf dem Weg habe ich etwas erkannt: Die kleinen Tools, die ich nebenbei für meinen Alltag gebaut habe, haben mir genauso viel gebracht wie die SaaS selbst. Und diese kleinen Helfertools kann wirklich jeder bauen.

Warum Helfertools für Unternehmer der eigentliche Game-Changer sind

Denk mal an deinen Arbeitsalltag. Wie oft denkst du: „Es müsste doch ein Tool geben, das mir das abnimmt"? Du googelst, findest entweder nichts Passendes oder eine Software für 50 € im Monat, die 90 % Funktionen hat, die du nicht brauchst.

Genau hier setzt Vibe Coding an. Nicht bei der nächsten großen SaaS-Idee – sondern bei deinem ganz konkreten Problem im Geschäftsalltag.

Beispiele für Helfertools, die Unternehmer selbst bauen können

  • Ein Angebots-Kalkulator, der genau deine Preislogik abbildet – inklusive Materialkosten, Stundensätze und Marge.
  • Ein Kundendaten-Dashboard, das Infos aus verschiedenen Quellen zusammenführt, die du sonst in fünf Tabs offen hast.
  • Ein automatisierter Report-Generator, der dir jeden Montag eine Zusammenfassung deiner Woche erstellt.
  • Ein Auftrags-Tracker, der genau zu deinem Workflow passt – nicht zu dem, den sich ein Software-Unternehmen für die Masse ausgedacht hat.
  • Ein Rechnungs-Checker, der eingehende Rechnungen automatisch mit deinen Bestellungen abgleicht.
  • Ein einfacher Chatbot für deine Website, der häufige Kundenfragen beantwortet und Anfragen vorqualifiziert.

Das sind keine Fantasie-Beispiele. Das sind genau die Probleme, die Unternehmer jeden Tag haben – und für die es bisher keine maßgeschneiderte Lösung gab, weil ein Entwickler dafür zu teuer wäre.

Wie Vibe Coding in der Praxis funktioniert

Vibe Coding ist kein magischer Prozess, bei dem du „Bau mir eine App" sagst und alles fertig ist. Es ist ein strukturierter Dialog zwischen dir und der KI.

Du bringst mit:

  • Dein Problem (Was nervt dich? Was kostet dich Zeit?)
  • Dein Fachwissen (Wie läuft dein Prozess aktuell ab?)
  • Dein Urteilsvermögen (Funktioniert das, was da rauskommt?)

Die KI bringt mit:

  • Code-Generierung (Schreibt die technische Umsetzung)
  • Best Practices (Kennt Patterns und Frameworks)
  • Geschwindigkeit (Baut in Stunden, wofür du Wochen bräuchtest)

Das Besondere: Du brauchst kein Programmier-Vorwissen. Du musst dein Problem beschreiben können. Und als Unternehmer kannst du das – denn niemand kennt deine Abläufe besser als du.

Ein konkretes Beispiel: Vom Problem zum Tool in einem Nachmittag

Stell dir vor, du bist Handwerker und erstellst Angebote. Bisher mit Excel oder Word. Jedes Mal tippst du Materialkosten ab, rechnest Stunden hoch, überlegst die Marge. Das dauert 30 Minuten pro Angebot.

Mit Vibe Coding sagst du der KI:

„Ich brauche einen Angebots-Kalkulator. Ich gebe Materialien und Mengen ein, dazu geschätzte Arbeitsstunden. Das Tool soll automatisch meinen Stundensatz (85 €), Materialaufschlag (15 %) und Anfahrtspauschale berechnen. Am Ende will ich ein sauberes PDF-Angebot generieren."

Die KI baut dir genau das. In ein paar Stunden hast du ein Tool, das exakt auf deine Preisstruktur zugeschnitten ist. Kein Abo, keine monatlichen Kosten, keine überflüssigen Features.

Die Tools, die du brauchst

Du brauchst nicht viel, um loszulegen:

  • Cursor: Der KI-Editor, in dem alles passiert. Du beschreibst, was du willst, Cursor schreibt den Code. Das ist dein wichtigstes Werkzeug.
  • Claude oder ChatGPT: Für die Planung. Beschreib dein Problem, lass dir einen Ansatz vorschlagen, bevor du mit dem Bauen anfängst.
  • Vercel oder Netlify: Wenn du dein Tool online verfügbar machen willst. Kostenlose Einstiegspläne reichen für Helfertools völlig aus.

Für viele Helfertools brauchst du nicht mal ein Hosting. Ein lokales Tool auf deinem Rechner, das du über den Browser bedienst, reicht oft völlig.

Was ich aus der SaaS-Entwicklung gelernt habe – und was für dich relevant ist

Aus meiner InspireForge-Erfahrung nehme ich vier Learnings mit, die auch für kleine Helfertools gelten:

1. Fang klein an

Mein größter Fehler bei InspireForge war, zu viel auf einmal zu wollen. Für dein Helfertool bedeutet das: Löse erst ein einziges Problem. Du kannst später immer noch erweitern.

2. Du musst den Code nicht verstehen – aber das Ergebnis prüfen

Die KI schreibt Code, den du nicht lesen können musst. Aber du musst prüfen: Stimmt die Berechnung? Kommt das richtige Ergebnis raus? Das ist dein Job.

3. Beschreibe dein Problem genau

Je präziser du der KI erklärst, was du brauchst, desto besser das Ergebnis. „Bau mir ein Tool" funktioniert nicht. „Ich brauche eine Tabelle, die mir aus Einkaufspreis und Verkaufspreis die Marge in Prozent berechnet und rot markiert, wenn sie unter 20 % liegt" – das funktioniert.

4. Nutze die KI auch für Fragen

Du weißt nicht, wie du anfangen sollst? Frag die KI: „Ich will mir ein Tool bauen, das X macht. Was ist der einfachste Weg?" Die KI ist nicht nur zum Coden da – sie ist auch dein Berater.

Für wen eignet sich Vibe Coding?

Perfekt für dich, wenn du:

  • Selbstständig bist oder ein kleines Unternehmen führst
  • Wiederkehrende Aufgaben hast, die dich Zeit kosten
  • Genug von generischen Tools hast, die nicht zu deinem Workflow passen
  • Bereit bist, ein paar Stunden zu investieren, um dir etwas Maßgeschneidertes zu bauen
  • Kein Programmierer bist – aber dein Business in- und auswendig kennst

Weniger geeignet, wenn du:

  • Ein komplexes SaaS-Produkt für den Massenmarkt bauen willst (da brauchst du irgendwann professionelle Entwickler)
  • Hochsicherheitsanwendungen brauchst (Banking, Medizin)
  • Nicht bereit bist, das Ergebnis zu prüfen und nachzubessern
  • Kein konkretes Problem hast, das du lösen willst

Die Grenzen – und warum sie für Helfertools kaum eine Rolle spielen

Ja, Vibe Coding hat Grenzen. Bei einer SaaS mit Tausenden Nutzern stößt du irgendwann an Punkte, wo du professionelle Hilfe brauchst: Security, Skalierung, komplexe Datenbank-Architekturen.

Aber bei deinem Helfertool? Das nutzt du. Vielleicht noch dein Team. Die Anforderungen sind überschaubar, die Komplexität gering, und das Ergebnis muss vor allem eins sein: nützlich für deinen Alltag. Da spielen die Grenzen von Vibe Coding kaum eine Rolle.

Mein Fazit: Du bist näher dran, als du denkst

Ich habe mit Vibe Coding eine SaaS mit 300+ Nutzern gebaut. Das war ein ambitioniertes Projekt, und es hat mich viel gelehrt. Aber die ehrliche Wahrheit ist: Die größte Wirkung hatte Vibe Coding für mich bei den kleinen Dingen. Bei den Tools, die mir 30 Minuten am Tag sparen. Bei den Automatisierungen, die mir lästige Routineaufgaben abnehmen.

Und genau das kannst du auch. Du brauchst keine Programmier-Vorkenntnisse. Du brauchst keine teure Software. Du brauchst nur dein Problem, ein KI-Tool und die Bereitschaft, es auszuprobieren.

Die Hürde war noch nie so niedrig. Die Frage ist nicht mehr „Kann ich das?" – sondern „Welches Problem löse ich zuerst?"

Du willst wissen, welches Helfertool dir im Alltag am meisten bringen würde? Lass uns reden – buche dir einen kostenlosen Call und wir finden gemeinsam heraus, wo du am schnellsten Zeit sparst.

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Manuel Burow

IT-Engineer, SaaS-Gründer und Amazon FBA Unternehmer mit Fokus auf KI-Integration im E-Commerce.

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